Sport und Fruchtbarkeit

08. August 2022

Eine regelmäßige, sportliche Betätigung verbessert den allgemeinen Gesundheitszustand, „verjüngt“ nachweislich Körperzellen, schützt vor Diabetes, unterstützt die Demenzprävention und wirkt sich positiv auf die Psyche aus – dies wurde in den letzten Jahrzehnten anhand vieler wissenschaftlicher Studien eindeutig bewiesen. Auch die Fruchtbarkeit von Mann und Frau lässt sich durch Sport beeinflussen – sowohl positiv als auch negativ. Daraus ergibt sich die Frage: Wieviel Sport sollte es sein?

Gut für uns alle

Wichtig zu wissen ist, welche Effekte Sport auf den menschlichen Körper hat: die Muskeln werden aktiv, der erhöhte Puls pumpt Sauerstoff in jede Körperzelle, der Herzmuskel wird gestärkt, Blutzucker und Blutfette werden aufgrund des erhöhten Energiebedarfs abgebaut, die Ausschüttung von Stresshormonen wird gedrosselt, die Ausschüttung von „Glückshormonen“ (z.B. Endorphine, Serotonin) wird wiederum intensiviert. Wer Sport treibt tut seinem Körper also sehr gutes.

Das „böse“ Körperfett?

Oftmals auch erwünschter Effekt ist die Abnahme von Körperfett. Die Richtwerte für einen gesunden Körperfettanteil (KFA) liegen bei Männern durchschnittlich zwischen 8-25% und bei Frauen zwischen 21-36%. Bewegt man sich unter diesen Werten ist man im Bereich des Untergewichts, liegt der Körperfettanteil oberhalb dieser Grenzen, spricht man von Adipositas. Was jedoch manchmal in Vergessenheit gerät ist, dass das oftmals negativ konnotiertes Fett in unseren Körpern sehr wichtige Funktionen erfüllt. Es dient als Speicher von Energie, fettlöslichen Vitaminen und Wasser, isoliert den Körper zum Schutz vor Wärmeverlust, sorgt für den Erhalt von Strukturen (z.B. rundlich geformte Wangen) und ermöglicht uns ein bequemes Sitzen als „Druckpolster“ im Gesäßbereich. Eine für den gesamten Stoffwechsel relevante Funktion des Fettgewebes ist die Hormonproduktion zum Beispiel von Adipokine und Zytokine.

Leptin – Freund der weiblichen Fruchtbarkeit

Im Fokus der Kinderwunschbehandlung steht das stoffwechselaktive Adipokin „Leptin“. Dieses reguliert nicht nur das Hunger- und Sättigungsgefühl, sondern ist außerdem für einen regelmäßigen Zyklus und eine erfolgreiche Einnistung befruchteter Eizellen in der Gebärmutterschleimhaut zuständig. Herrscht im Körper ein Leptin-Mangel aufgrund eines zu geringen Körperfettanteils, so kann eine Schwangerschaft nur mit geringer Wahrscheinlichkeit eintreten. Denselben Effekt beobachtet man auch bei einem übermäßigen Vorhandensein von Leptin im Blutkreislauf, d.h. bei Frauen mit Übergewicht. Hierbei werden die Leptin-Rezeptoren in der Gebärmutterschleimhaut überstimuliert. In Folge dessen wird ihre Empfindlichkeit auf Leptin heruntergesetzt, was zu einer Abnahme der Fruchtbarkeit führen kann. Darüber hinaus gibt es einen Zusammenhang zwischen dem in der Ovulationsphase wichtigen Hormon LH (Luteinisierendes Hormon) und Leptin. Eine Studie ergab, dass die Leptin-Konzentration in der Ovulationsphase deutlich erhöht ist, im Vergleich zur Follikelphase.

Fruchtbarkeitsbooster für Männer

Auch Männer, die regelmäßig Sport treiben, können durch den aktiveren Lebensstil zur besseren Qualität und Beweglichkeit ihrer Spermien beitragen. Auf körperliche Fitness und Sport reagiert der männliche Körper unter anderem mit einer leichten Erhöhung des Testosteronspiegels und den damit einhergehenden, positiven Effekten auf das Sperma. Allerdings bestätigen Studien, dass ein exzessives Training hier die gegenteilige Wirkung erzielt. Vom bpsw. intensiven HIIT (High intensity intervall training) wird während einer Kinderwunschbehandlung daher abgeraten und ein moderates Training ist zu bevorzugen.

6 Tipps für eine sportliche Steigerung der Fruchtbarkeit

1. Ermitteln Sie Ihren Körperfettanteil.

2. Wenn Sie übergewichtig sind: Suchen Sie sich eine Sportart, die Ihnen Spaß bereitet. Es ist viel leichter „am Ball“ zu bleiben, wenn man sich auf die nächste Sporteinheit freut.

3. Achten Sie stets auf die Einhaltung von Erholungsphasen. In dieser Zeit hat Ihr Körper Zeit sich zu regenerieren und Muskeln aufzubauen, welche für Ihre Gesundheit, Ihr Wohlbefinden und eine u.U. empfohlene Gewichtsregulation sehr wichtig sind.

4. Seien Sie sanftmütig – und zwar Ihnen selbst gegenüber! Das „Idealgewicht“ zu erreichen kann für über- und untergewichtige Menschen gleichermaßen eine große Herausforderung sein. Nachhaltige Resultate brauchen viel Arbeit, Zeit und Geduld.

5. Ehrgeizig sein – aber nicht zu sehr! Denn das Streben nach großen sportlichen Leistungen kann (besonders bei Anfängern) für zusätzlichen Stress und Frust sorgen. Es ist vollkommen in Ordnung sich beim Sport auch mal „unterfordert“ zu fühlen – solange Sie sich beim Sport gut fühlen und die Bewegung genießen, sind Sie auf dem richtigen Weg.

6. Versuchen Sie kurze Sporteinheiten in Ihren Alltag zu integrieren: ein Spaziergang statt einer Autofahrt zum Bäcker, kleinere Einkäufe zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen, die Treppe anstelle des Aufzugs benutzen, oder die Mittagspause für einen Spaziergang nutzen. Sie werden schnell merken, dass diese kleinen Stellschrauben bereits einen positiven Effekt herbeirufen.

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